Mittwoch, 3. Oktober 2007
Unter englischen Dächern
So, Ihr verwöhnten (West-)Deutschen, hier ist sie: Unsere Wohnung.
Früher als geplant sind wir bereits am dritten Tag in England aus der provisorischen WG in unsere Wohnung im Nachbarhaus gezogen. Gleich nach der Ankunft am Samstag konnten wir einen kurzen Blick in unser jetziges Zuhause werfen und waren recht angetan. Wohlgemerkt: Wir hatten unsere Erwartungen weit heruntergeschraubt. Ich habe ja schon ein wenig England-Erfahrung…

Unsere neuen 4 Wände bestehen aus Bad, Wohn-/Esszimmer, Küche, Bad, Abstellraum und einem Schlafzimmer, welches sich im oberen Stockwerk befindet. Ganz nebenbei kommen wir auch noch in den Genuss, in einem denkmalgeschützten Gebäude zu wohnen, daher wohl auch die eigenartige Aufteilung. Außer unserer sind in dem Komplex noch zwei weitere Wohnungen, die sich ebenfalls auf 2 Stockwerke verteilen.
Und nun: Herzlich Willkommen in unserer Studentenbude!


Das Badezimmer

Den Lacher kriegt ihr gleich am Anfang serviert, eindeutig ein Fall für das Mietergenesungswerk! Unser Bad würde sich in jeder Moskauer Plattenbausiedlung gut machen. Hellblau und abgewetzt. Fließendes Wasser, kalt und warm (je nach Jahreszeit). Man sah mich schon heißes Wasser für die Morgenrasur vom Wasserkocher holen – fast täglich, um genau zu sein. Die Badewanne rostet munter vor sich hin. Bei derlei Pracht sieht man schon mal über Schönheitsfehler wie den schiefen Duschvorhang hinweg. Kurz: Wir sind beide sehr glücklich darüber, über eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio zu verfügen und nutzen die dortigen sanitären Anlagen ausgiebig. Das bringt außerdem einen Zusatznutzen – die Wasserrechnung bleibt niedrig!
Der Vermieter sprach von einer bevorstehenden Renovierung, er sei quasi „alles schon am Planen dran“. Als Zweckpessimist werde ich mich darauf natürlich nicht verlassen. Wir haben uns mit dem Status Quo arrangieren können, denn dank 1 l Sagrotan ist der Raum zumindest keimfrei, und das ist doch auch schon mal was.


Die Küche

An der Küche gab es nichts auszusetzen, dennoch wurde sie einer Sagrotanbehandlung unterzogen. Die Ausstattung ist top: Gasherd und –ofen, Kühlschrank, Gefrierschrank, Waschmaschine, Mikrowelle, Toaster, Wasserkocher. Besteck, Geschirr und Töpfe/Pfannen waren ebenfalls vorhanden. Nachdem der hygienische Zustand von Raum und Inventar nun einwandfrei ist (und damit meine ich auch eine Zwischen-den-Forken-Reinigung der Gabeln!), können wir auch hier bedenkenlos das Beste zubereiten, was britische Lebensmittel hergeben.


Das Wohn-/Esszimmer

Eindeutig die Perle unserer Wohnung! Wände und Boden sind komplett neu, das Mobiliar umfasst einen Schreibtisch, Esstisch und eine schwere Ledercouch mit Beistelltisch. Von dem Sofa werden wir uns laut Vermieter bald trennen müssen, dafür kriegen wir eine Schlafcouch – und dann wollen wir mal sehen, wie viele von Euch Ihre Drohung wahr machen und uns einen Besuch abstatten! Das heißt: Falls ihr Euch durch das Bad nicht abschrecken lasst…
Wir haben sogar ein TV mit Videorecorder!

Die Abstellkammer
… grenzt an das Wohnzimmer an. Noch nie konnte ich Ines einen Wunsch so einfach erfüllen: Sie wollte „schon immer“ eine Wohnung mit Abstellkammer! Gut für mich. Hier können wir Vorräte deponieren und jeglichen Kram… äh, ja… abstellen eben! Ach ja: Die Ähnlichkeit mit meinem Zimmer damals in Cambridge ist verblüffend! Vielleicht werden wir die 2 m² an einen Studenten untervermieten.


Das Schlafzimmer

Auf der gut 70° steilen Treppe wurde liebevoll ein Teppich verlegt, der vermutlich aus dem Nachlass des Schah von Persien stammt. Jeder Allergiker würde allein beim Anblick dessen spontan die weiße Fahne schwenken.
Wer jetzt noch ohne Niesattacke ist, der trete ein in die Schlafgemächer: Auch hier liegt der Schmuddelperser. Schade, das das Laminat aus dem Erdgeschoss anscheinend nicht für die ganze Wohnung gereicht hat. Jenseits der neuen Schrankwand und der Kommoden mit großen Spiegeln hat der Raum dennoch einen entscheidenden Nachteil: Sein Gravitätszentrum liegt zweifellos in der Raummitte. Würde man in jeder Ecke des Raumes eine Flasche Wasser ausgießen, dann würden die 4 Pfützen sich schnell zu einer einzigen großen in der Mitte des Raumes verbinden. Vielleicht sollte ich in den Baumarkt gehen, um Zement und eine Wasserwaage zu besorgen…
Ach ja, und unser Bett war eher eine Hängematte. Wir haben aber beim Vermieter ausreichend darüber gejammert, dass wir Rücken haben. So konnten wir immerhin die Matratze des WG-Betts aus dem Nachbarhaus klauen. ;-)

Falls sich jemand fragen sollte, wieso wir trotz des „kleinen Wermutstropfens Badezimmer“ hier eingezogen sind, hier die Top 6 Argumente:
1) Sichere Gegend
2) Ruhige Wohnlage
3) Wir sind in 20 min zu Fuß an der Uni
4) Vertretbarer Mietpreis
5) Parkplatz vor der Tür
6) Tatsache (!): Für englische Studentenverhältnisse ist die Wohnung echt gut!

... link (5 Kommentare)   ... comment