Samstag, 3. November 2007
Männer ohne Hals
steveo, 12:01h
Ein neuer Blogeintrag ist schon lange überfällig – allerdings war ich in der letzten Zeit mit dem Schreiben weniger spannender Texte beschäftigt. Daher gibt es heute einen Bericht, den ich schon vor längerem begonnen, aber nicht zu Ende geschrieben hatte.
Vor nun schon 5 Wochen haben wir uns zum ersten Mal ein Rugby-Spiel live angesehen. Das bot sich an, da das Stadion, die „Butts Park Arena“, nur wenige Minuten zu Fuß von unserer Wohnung entfernt auf dem täglichen Weg zur Uni liegt.
Um den Traditionsverein Coventry Rugby Football Club stand es zum Zeitpunkt unseres Besuchs nicht so gut: Sieglos rangierte „Cov“ am unteren Tabellenende der National Division 1, also der zweiten Liga. Der Gegner, die Rotherham Titans reiste als klarer Favorit aus Yorkshire an. Wir nahmen unsere Plätze auf der Tribüne ein und warteten gespannt auf den Einmarsch der Gladiatoren. Dieser wurde übrigens von „Sweet child o’ mine“ begleitet, was sehr zu meiner Integration als Neu-Fan beitrug.
Nachdem beide Mannschaften auf dem Platz standen, war die Balladenstimmung von Guns n’ Roses schnell dahin. Nun wirkten rohe Kräfte, und zwar zum Greifen nahe.

Rudelbildung
Coventry erwischte den besseren Start und erzielte einen Try. Die folgende Conversion verwandelte der Kicker sicher zum 7:0 – und wer bei den letzen beiden Sätzen nur „Bahnhof“ verstanden hat, dem lege ich http://de.wikipedia.org/wiki/Rugby ans Herz. Hat mir auch geholfen. Was ich aber noch viel verwunderlicher fand als die Tatsache, dass ein Spieler, der die gelbe Karte sieht, vom Platz gehen muss, war die „Tormusik“ von Cov: „I like to move it“ von Reel 2 Real feat. Mad Stuntman – Bravo Hits 7 lässt grüßen!
Zur Pause stand es nach Punkten 17:4 für Coventry, 2:2 war die Zwischenbilanz der verletzungsbedingten Auswechslungen. Überhaupt verrichteten die Physiotherapeuten der Mannschaften einen harten Job: Im Gegensatz zum Fußball, wo verletzte Spieler erst bei Spielunterbrechungen behandelt werden dürfen, sprinteten die Rugby-Physios im Stil von Kriegsberichterstattern unter Einsatz ihres Lebens durch das laufende Spiel.

1: Verletzter Spieler (liegend)
2: Todesmutiger Physio (sprintend)
3: Erdrutschartiger Konter (rasend)
Im Laufe der zweiten Halbzeit trudelten die verletzten Spieler wieder ein. An Krücken oder mal schnell genäht – man war offensichtlich auf den Fall der Fälle vorbereitet. Es hätte mich nicht weiter erstaunt, wenn der ein oder andere Bandagierte wieder eingewechselt worden wäre.
Auf dem Feld stemmten sich die Covs mit aller Macht gegen die stärker aufspielenden Titans. Schließlich sahen sie ein, dass sie das Spiel ohne mich nicht gewinnen würden: Ich durfte mitspielen! Ein zu weit ins aus gekickter Ball flog schnurstracks auf unsere Tribünenplätze zu. Instinktiv stand ich auf und fing den Ball sicher vor der Brust. Für eine Sekunde schien die Zeit stehen zu bleiben, meine Optik schaltete auf Tunnelblick und mein Gehör blendete jegliche Umgebungsgeräusche aus. Dann blieben zwei denkbare Varianten aus: Weder wurde ich postwendend von Talentspähern umworben, die sich meine Fangkünste sichern wollten, noch wurde ich unter einem Pulk von Gigantenleibern begraben. Vielleicht in beiden Fällen besser so. Ich warf den Ball zurück. Sollten die Kolosse sich drum prügeln.
Die Rolle des Matchwinners war also noch zu vergeben. Sie kam schließlich Kurt Johnson zu, einem Nationalspieler in den Reihen von Coventry. Johnson spielt übrigens für Barbados. (Aha!) Durch 2 Tries sicherte er den 29:10 Sieg. Die Lazarettwertung ging allerdings an Rotherham: Sie tackleten 4 Heimspieler vom Platz, Coventry konnte nicht mehr nachlegen.
Fazit:
Das Spiel war beste Unterhaltung. Da ich zahlreiche Spiele der zu der Zeit noch laufenden Rugby-WM verfolgte, war eine Live-Partie eine sehr interessante Abwechslung. Selbst würde ich mich eher nicht in das Getümmel stürzen wollen, auch wenn ich durchaus eine geeignete Position für mich ausmachen konnte: Full Back, das könnte was für mich sein – weit geschlagene Bälle abfangen und durchgebrochene gegnerische Spieler umnieten… das liest sich fast wie meine Jobbeschreibung beim Fußball. Als Kicker für Penalties und Conversions könnte ich außerdem meine Fußballerfahrung einbringen. Man mag über meine fußballerischen Künste denken was man will – aber „hoch und weit“ konnte ich immer gut!!!
Bei meiner Freundin ist der Funke dafür voll übergesprungen: Sie war letzte Woche bereits im Rugby-Training und wird vermutlich schon bald ihr Debüt für die Damen-Rugbymannschaft der Uni geben. Nur um Missverständnisse zu vermeiden – ich habe mir hier keine 100 kg-Engländerin angelacht, wir sprechen natürlich von der gleichen Freundin, mit der ich nach Coventry gefahren bin:
Nämlich der, die kaum größer ist als eine (englische) Chipstüte.

Ines: Kaum größer als eine Chipstüte
Demnächst auf dieser Seite:
- Ines debütiert für das Coventry University Womens Rugby Team
- Tommies vs. Krauts: Schalkes Gastspiel in Chelsea
- Dinge, die ich nach meiner Rückkehr importieren muss, Teil II
Ihr seht, einiges „am Planen dran“. Der nächste Bericht wird hoffentlich nicht so lange auf sich warten lassen…
Vor nun schon 5 Wochen haben wir uns zum ersten Mal ein Rugby-Spiel live angesehen. Das bot sich an, da das Stadion, die „Butts Park Arena“, nur wenige Minuten zu Fuß von unserer Wohnung entfernt auf dem täglichen Weg zur Uni liegt.
Um den Traditionsverein Coventry Rugby Football Club stand es zum Zeitpunkt unseres Besuchs nicht so gut: Sieglos rangierte „Cov“ am unteren Tabellenende der National Division 1, also der zweiten Liga. Der Gegner, die Rotherham Titans reiste als klarer Favorit aus Yorkshire an. Wir nahmen unsere Plätze auf der Tribüne ein und warteten gespannt auf den Einmarsch der Gladiatoren. Dieser wurde übrigens von „Sweet child o’ mine“ begleitet, was sehr zu meiner Integration als Neu-Fan beitrug.
Nachdem beide Mannschaften auf dem Platz standen, war die Balladenstimmung von Guns n’ Roses schnell dahin. Nun wirkten rohe Kräfte, und zwar zum Greifen nahe.

Rudelbildung
Coventry erwischte den besseren Start und erzielte einen Try. Die folgende Conversion verwandelte der Kicker sicher zum 7:0 – und wer bei den letzen beiden Sätzen nur „Bahnhof“ verstanden hat, dem lege ich http://de.wikipedia.org/wiki/Rugby ans Herz. Hat mir auch geholfen. Was ich aber noch viel verwunderlicher fand als die Tatsache, dass ein Spieler, der die gelbe Karte sieht, vom Platz gehen muss, war die „Tormusik“ von Cov: „I like to move it“ von Reel 2 Real feat. Mad Stuntman – Bravo Hits 7 lässt grüßen!
Zur Pause stand es nach Punkten 17:4 für Coventry, 2:2 war die Zwischenbilanz der verletzungsbedingten Auswechslungen. Überhaupt verrichteten die Physiotherapeuten der Mannschaften einen harten Job: Im Gegensatz zum Fußball, wo verletzte Spieler erst bei Spielunterbrechungen behandelt werden dürfen, sprinteten die Rugby-Physios im Stil von Kriegsberichterstattern unter Einsatz ihres Lebens durch das laufende Spiel.

1: Verletzter Spieler (liegend)
2: Todesmutiger Physio (sprintend)
3: Erdrutschartiger Konter (rasend)
Im Laufe der zweiten Halbzeit trudelten die verletzten Spieler wieder ein. An Krücken oder mal schnell genäht – man war offensichtlich auf den Fall der Fälle vorbereitet. Es hätte mich nicht weiter erstaunt, wenn der ein oder andere Bandagierte wieder eingewechselt worden wäre.
Auf dem Feld stemmten sich die Covs mit aller Macht gegen die stärker aufspielenden Titans. Schließlich sahen sie ein, dass sie das Spiel ohne mich nicht gewinnen würden: Ich durfte mitspielen! Ein zu weit ins aus gekickter Ball flog schnurstracks auf unsere Tribünenplätze zu. Instinktiv stand ich auf und fing den Ball sicher vor der Brust. Für eine Sekunde schien die Zeit stehen zu bleiben, meine Optik schaltete auf Tunnelblick und mein Gehör blendete jegliche Umgebungsgeräusche aus. Dann blieben zwei denkbare Varianten aus: Weder wurde ich postwendend von Talentspähern umworben, die sich meine Fangkünste sichern wollten, noch wurde ich unter einem Pulk von Gigantenleibern begraben. Vielleicht in beiden Fällen besser so. Ich warf den Ball zurück. Sollten die Kolosse sich drum prügeln.
Die Rolle des Matchwinners war also noch zu vergeben. Sie kam schließlich Kurt Johnson zu, einem Nationalspieler in den Reihen von Coventry. Johnson spielt übrigens für Barbados. (Aha!) Durch 2 Tries sicherte er den 29:10 Sieg. Die Lazarettwertung ging allerdings an Rotherham: Sie tackleten 4 Heimspieler vom Platz, Coventry konnte nicht mehr nachlegen.
Fazit:
Das Spiel war beste Unterhaltung. Da ich zahlreiche Spiele der zu der Zeit noch laufenden Rugby-WM verfolgte, war eine Live-Partie eine sehr interessante Abwechslung. Selbst würde ich mich eher nicht in das Getümmel stürzen wollen, auch wenn ich durchaus eine geeignete Position für mich ausmachen konnte: Full Back, das könnte was für mich sein – weit geschlagene Bälle abfangen und durchgebrochene gegnerische Spieler umnieten… das liest sich fast wie meine Jobbeschreibung beim Fußball. Als Kicker für Penalties und Conversions könnte ich außerdem meine Fußballerfahrung einbringen. Man mag über meine fußballerischen Künste denken was man will – aber „hoch und weit“ konnte ich immer gut!!!
Bei meiner Freundin ist der Funke dafür voll übergesprungen: Sie war letzte Woche bereits im Rugby-Training und wird vermutlich schon bald ihr Debüt für die Damen-Rugbymannschaft der Uni geben. Nur um Missverständnisse zu vermeiden – ich habe mir hier keine 100 kg-Engländerin angelacht, wir sprechen natürlich von der gleichen Freundin, mit der ich nach Coventry gefahren bin:
Nämlich der, die kaum größer ist als eine (englische) Chipstüte.

Ines: Kaum größer als eine Chipstüte
Demnächst auf dieser Seite:
- Ines debütiert für das Coventry University Womens Rugby Team
- Tommies vs. Krauts: Schalkes Gastspiel in Chelsea
- Dinge, die ich nach meiner Rückkehr importieren muss, Teil II
Ihr seht, einiges „am Planen dran“. Der nächste Bericht wird hoffentlich nicht so lange auf sich warten lassen…
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flox,
Samstag, 3. November 2007, 12:57
Hallo ihr 2 Auswanderer, auch ich meld mich hier mal zu Wort, nachdem ich in meinen letzten 5 Wochen Arbeitslosigkeit soooo sehr im Stress war! ;-)
Ich wollt eigentlich nur sagen, dass ich so ne Chipstüte heut abend gut gebrauchen könnt. Ich würd euch ja zu meiner Abschiedsparty auch einladen, aber ich glaub kaum, dass ihr extra mal schnell hergeflogen kommt?!
So, genug Schwachsinn von mir gegeben, ich schreib euch demnächst mal ne E-Mail... Grüße Flo
Ich wollt eigentlich nur sagen, dass ich so ne Chipstüte heut abend gut gebrauchen könnt. Ich würd euch ja zu meiner Abschiedsparty auch einladen, aber ich glaub kaum, dass ihr extra mal schnell hergeflogen kommt?!
So, genug Schwachsinn von mir gegeben, ich schreib euch demnächst mal ne E-Mail... Grüße Flo
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fast edi,
Samstag, 3. November 2007, 14:14
Wieso spielen die Tommies...
...denn unser Spiel so komisch?
Ich würde gerne mal die New York Jets ein echtes Football-Spiel gegen die Coventry Women machen lassen...
Also, die Präsentationen und Essays machen wohl riesen Spaß, oder?
Aber es lohnt sich. Du kannst dann jederzeit bei Meister Grünewald anfangen.
Weiterhin viel Spaß und Erfolg.
Fast Edi
P.S. Bitte die Chipstüte(n) aufheben. Daraus kann ich klasse Kleider für meine Familie machen.
Ich würde gerne mal die New York Jets ein echtes Football-Spiel gegen die Coventry Women machen lassen...
Also, die Präsentationen und Essays machen wohl riesen Spaß, oder?
Aber es lohnt sich. Du kannst dann jederzeit bei Meister Grünewald anfangen.
Weiterhin viel Spaß und Erfolg.
Fast Edi
P.S. Bitte die Chipstüte(n) aufheben. Daraus kann ich klasse Kleider für meine Familie machen.
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